Am 9. April 2011 hieß es wieder ran ans Steuer, Karte aufklappen, LOS!
Die Veranstaltergemeinschaft ARGE Ostsee-Rallye e.V. bot uns wieder die Möglichkeit, an der diesjährigen Tücken-Orie in der Klasse C teilzunehmen. Wir haben im letzten Jahr mit Pierre zusammen Blut geleckt und wollten nun auch zu zweit (Christian als Fahrer und Co-Navigator, Julia als Beifahrer, Navigator und Schriftführer) die Teilnahme zur Tradition werden lassen.
Um 10.00 Uhr fanden sich alle Teams der Klassen A, B und C im Gasthaus „Zur Fähre“ in Burgwall, einem Ortsteil von Zehdenick, zusammen. Hier fand im letzten Jahr die Siegerehrung der „Zweitausend und 10 Tücken“ statt, so dass wir gleich an das gute Gefühl, einen Pokal in den Händen zu halten, erinnert wurden [Link zum Vorjahresbericht]. Diesmal wollten wir aber mehr…
Nachdem unser Ford-Focus durch die technische Abnahme (TA) kam, ein kleines Coaching für die Klasse C (Anfänger) – also auch für uns –, eine Fahrerbesprechung und die lange Wartezeit für die Aufgabenstellungen abgeschlossen waren, ging es endlich los. 12.26 Uhr wurden die Fahraufträge „offiziell“ an uns überreicht und um 12.41 Uhr durften wir dann endlich mit der Startnummer 41 bei fantastischen Orie-Wetter losdüsen – natürlich mit Obacht und Vorsicht. Denn wie heißt es so schön, Orientierungsfahrten sind keine Rennveranstaltungen, bei denen die Zeit im Fokus steht, sondern hier geht es um Geschicklichkeit, Denksport sowie dem Kennenlernen und Entdecken unbekannter Gegenden.
Und wir haben diesmal wieder Dörfer kennengelernt, in denen sich sonst Hase und Igel friedlich gute Nacht sagen. Schonmal von Marienthal, Zabelsdorf, Ribbeck, Mildenberg [2008, 2009], Karlshof, Gransee, Rauschendorf, Sonnenberg, Schulzendorf, Wolfsruh, Neulögow, Neulüdersdorf, Altlüdersdorf, Dannenwalde, Blumenow und Tornow gehört? Ganz schön viel Gegend und auf der anderen Seite jeweils auch. Na gut, einen Teil kannten wir natürlich bereits aus den Fahraufträgen der letztjährigen Tücken-Orie.
Die Aufgabenstellungen beherrschten wir dieses Jahr ziemlich gut, auch wenn wir gleich am Start in Burgwall einen kleinen Fehler gemacht haben, und eine Nummernkontrolle (NK) nicht angefahren sind. Zu diesem dann später…. Im Gegensatz zum letzten Jahr schrieb ich die Kontrollnummern gleich in unsere Stempelkarte (Bordbuch) ein und brauchte keinen Schmierzettel, wir ließen uns bei allem sehr viel Zeit und fühlten uns richtig gut… dann kam schon die Durchfahrtskontrolle (DK)! Der erste Streckenabschnitt war vorbei – Halbzeit- Jetzt schon? Plötzlich kam Panik auf: Hatten wir eine Aufgabe übersehen? Waren wir doch zu schnell und warum sind die richtigen Anfänger aus unserer C-Gruppe schon längst da? Jetzt hieß es warten und so tun als ob alles in bester Ordnung ist…nämlich der Kontrollposten war noch nicht an seinem Platz und wir mussten eine Zwangspause einlegen…uns dämmerte, dass die Aufgaben für uns schon zu einfach waren…nachdem das dritte Team im weißen BMW aus unserer C-Gruppe von der entgegengesetzten (definitiv falschen) Seite anrauschte, wussten wir, so schlecht sieht es für uns dieses Jahr nicht aus.
Endlich ging es weiter, wir bekamen unseren Stempel und konnten die nächsten Aufgaben, welche wir schon vorher zusammen während unserer Zwangspause lösten, abhaken. Diesen Vorteil hatten die anderen in unserer Gruppe natürlich auch versucht zu nutzen, nur leider gelang es Ihnen nicht so recht, denn sie bogen hinter uns falsch ab (in einen einstrichigen Weg, es dürfen aber nur zweistrichige Straßen oder höher befahren werden). Ein kurzer fragender Blick von Christian streifte meine Karte. Doch ich war mir 100%ig sicher, wir fahren zwar anders, aber dafür richtig! Manchmal braucht man eben auch ein stückweit Erfahrung in einer Orie.
Auch kann es sinnvoll sein, Pipi-Pausen in schattigen Waldstücken einzulegen. Gelöst und erleichtert schaute Christian sich den letzten Fahrauftrag noch einmal genauer an, wir fanden, er war zu einfach. Bei genauerem Hinsehen sahen wir einen Punkt, den man in dieser Aufgabe auch noch abfahren musste. Ich bestätigte es und wir machten uns auf. Es war zwar ein gewisses Risiko eine Strecke abzufahren, die vielleicht nur Zeit kostete, aber wir nahmen die Herausforderung an.
Kurze Zeit später – in Blumenow – befanden wir uns aber schon wieder in einer Art Warteschlange, weil der Vorwagen alle Teilnehmer stoppte, da alle Stempelkontrollen im weiteren Verlauf noch nicht vollständig aufgestellt waren. Man tauschte sich also mit seinen Konkurrenten in einer Art Smalltalk aus. Die Teilnehmer der anderen Klassen verhielten sich teilweise doch sehr wortkarg (oder ignorant?) gegenüber uns Anfängern, das war wohl der Stress…von dem blieben wir gut verschont und so ging es dann doch irgendwann dem Führungswagen hinterher.
Leider bestand nun das Problem, dass die C-Konkurrenten sehr dicht an uns klebten, so dass wir uns etwas einfallen lassen mussten, wir wollten doch unsere gelöste letzte Aufgabe nicht mit anderen teilen. Wie egoistisch, oder? Wir sahen wieder den weißen BMW aus unserer Gruppe und wollten auf gar keinen Fall, dass er uns hinterher fährt und sich damit unseren versteckten Punkt angelt. Was macht man in so einem Fall? Blinker setzen, Rechts stehen bleiben und so tun, als ob man sich verfahren hätte. Der BMW fuhr an uns vorbei immer gerade aus, bis er nicht mehr zu sehen war. Wir bogen stattdessen nach einer Weile nach rechts über einen kleineren Feldweg ab und Tatsache, der Punkt belohnte uns mit einer Nummerkontrolle, die kein anderer aus unserer Gruppe gefunden hatte.
Siegessicher machten wir uns zum Ziel auf, bekamen unseren letzten Stempel für dieses Rennen und begaben uns mit allen anderen zurück in die Gaststätte in Burgwall. Nach ca. drei Fahrstunden und 78 km konnten wir nun endlich ein bisschen entspannen und stärkten uns. Nach weiteren drei Stunden des Wartens stand das Ergebnis endlich fest, wir haben den Ersten Platz in der Klasse C geholt. Mit einem Fehler (10 Fehlerpunkten) gleich hinter dem Start konnten wir mit Abstand zu den anderen Teams unseren riesigen Pokal in den Händen halten. Während des Überreichens wurde uns schon vermittelt, dass wir nächstes Jahr nicht mehr in der Klasse C starten dürfen, weil wir dafür einfach zu gut geworden sind. Während der langen Wartezeit wurden wir von ein paar Veranstaltern der nächsten Orientierungsfahrten im Brandenburger Umland angesprochen und uns wurde sogar der Orie-Nachwuchspreis des ADAC für dieses Jahr schmackhaft gemacht.
Am Abend konnten wir unseren Ford stolz durch die vom Sonnenuntergang verfärbten Felder kurven und haben uns gesagt, dass dies wohl nicht die letzte Orientierungsfahrt in diesem Jahr war.
Fortsetzung folgt (vielleicht)…









