Einmal…Rennfahrer sein!
Dieser Traum ist letzten Freitag (15.06.) in Erfüllung gegangen.
Mein Geburtstagsgeschenk vom letzten Jahr sollte endlich eingelöst werden. Fast alle Freunde/innen hatten damals gesammelt und mir eine Selber-Fahrt im Renault Clio auf dem Sachsenring geschenkt. Danke euch nochmal, hier nun mein Bericht von diesem fantastischen Erlebnis:
Die 298km lange Anreise zum Sachsenring (ca. 20km von Chemnitz entfernt) ging zügig vorüber. Mein Kumpel Manuel und ich machten uns gegen 10 Uhr auf die Reise und wählten entgegen dem BMW-Navigationsvorschlag die Route über A115, A10, A9 und A4. Nahezu staufrei und gut-klima-gekühlt kamen wir bei sonnigem Wetter überpünktlich an, so dass wir noch 1-2h Zeit für einen Bummel durch die Chemnitzer Altstadt hatten – inkl. Käffchen und Eis am Marktplatz vor dem Rathaus.
Um 15.15 Uhr war dann Anmelden und Gutschein-einlösen am Empfangsbereich der Rennstrecke angesagt. Es versammelten sich eine Menge Leute vor dem Gebäude, so dass ich schon die schlimmsten Befürchtungen hatte, wie das Selber-fahren von statten gehen soll. Werden alle gemeinsam auf die Strecke gelassen? Wie schnell kann man fahren? Bekommt man wirklich ein Geschwindigkeits-/Rennfahrergefühl?
Alle Teilnehmer und zugehörige Begleitpersonen stiegen zuallerst einmal wieder in ihre eigenen Wagen ein, um die kurze aber abenteuerliche Strecke mitten durch die Nebenstraßen des Sachsenringes zur Boxengasse zu bewältigen. Dort angekommen, ging es für alle in den Race-Control-Room – einen dunklen Raum mit sehr, sehr vielen Bildschirmen und Monitoren. Hier sitzen im Rennen die verantwortlichen Marshalls und beobachten jede noch so winzige Rennsituation.
Wir bekamen einen kurzen Abriss durch die aufregende Geschichte des Sachsenringes, der vor allem als langsame, aber dafür sehr anspruchsvolle und kurvenreiche Rennstrecke gilt. Insbesondere die Motorrad-WMs aller Klassen locken hier jährlich bis zu 250.000 Zuschauer an den Streckenrand.
Mehr zur Geschichte gibt es für Interessierte hier zu erfahren.
Von Minute zu Minute wurden die angehenden Rennfahrer – inkl. mir selbst natürlich – nun immer nervöser und aufgeregter. Der durch den Nachmittag führende Verantwortliche vom Sachenring kam nun zu den Rennwagen selbst. Er erzählte viel über Handling, Kurvenlage und Schaltung von Renn-Clio und Formel BMW. Und kurze Zeit später ging es dann auch endlich in eine Box der gleichnamigen Gasse.
Hier standen mehrere Umkleideschränke und es wurde einem Rennoveroll, Helm und Sturmhaube, Handschuhe und Rennschuhe in die Hände gedrückt.
Schnell umgezogen ging es dann mit dem Gruppenfoto der jeweiligen Gruppen weiter. Die Clio-Gruppe kurz vor dem Start:
Als dann plötzlich gesagt wurde: “Hier stehen zwei Clios bereit – wer will denn anfangen?” schauten alle schüchtern in die Luft und “drückten” sich vor dem “Erster-Sein”. Ich erklärte mich dann bereit zu ersten Fahrt aller Teilnehmer und wurde in die Bedienung des Rennclios eingewiesen.
190 PS … sequentielles 6-Gang-Getriebe … keine Innenausstattung außer zwei Rennsitze mit 6-Punkt-Gurt und Überrollkäfig
Die vielen Informationen konnte ich in der kurzen Zeit kaum aufnehmen. Trotzdem – los gings. Das Führungsfahrzeug rollte langsam vor mir los und ich ließ erstmal schön vor allen Zuschauern den Motor absaufen. Und nochmal den “Starter” drücken. Dann hat’s geklappt und es ging geradewegs in gemächlichen Tempo die Boxenausfahrt hinaus.
Das Selber-fahren wurden auf der Triangel-Nordschleife des Sachensrings durchgeführt. Für jeden Teilnehmer hieß das 6 Runden über die kurze hügelige Strecke – immer einem vorausfahrenden PS-starken Führungsfahrzeug hinterher, welches von einem Sachsenring-Verantwortlichen gefahren wurde.
Das Fahren klappte eigentlich ganz gut. Nur der Ideallinie inkl. Tempo und Bremspunkt konnte ich nicht einmal annähernd folgen. Die Grenzen des Clios habe ich jedenfalls nicht ausgelotet. Kein Quietschen in den Kurven – nur enorme Beschleunigung und ein stark-ansprechendes Bremsverhalten.
In der Mitte meines Turns gab es plötzlich nach einer Kurve einen lauten Knall und der Motor ging aus. Man habe ich einen Schreck bekommen. Nach 3 Runden gleich den Renn-Clio zerstört – na toll
Langsam rollte ich aus – wobei ausrollen leicht untertrieben ist, denn der Streckenverlauf an dieser Stelle wurde durch ein 13% Gefälle gekennzeichnet. Mein persönliches Führungsfahrzeug war weit voraus und nicht mehr zu sehen. Ich ließ den Wagen auf der linken Fahrbahnseite anhalten, weg von der Ideallinie um den anderen beiden Fahrer-Pärchen, die auf der Strecke waren, Platz zu machen. Verzweifelt wurde immer wieder der Starter-Knopf auf dem Bedienfeld betätigt, doch nichts passierte. Alles blieb ruhig.
Kurze Zeit später kam dann endlich mein Führungsfahrzeug rückwärts den Berg hinaufgeschlichen. Der Fahrer stieg aus, kam zu mir rüber und schaute durch die Beifahrertür zu mir rein. Ich blickte ihn nur mit heftigen Schulterzucken an und verwies auf dem Starter-Knopf. Er fand die Ursache doch sehr schnell. Ich hatte scheinbar in der Kurve mit meinem Ellenbogen beim Geradelenken den großen roten Knopf getroffen. Rot und groß – das war das Batterie-Not-Aus. Kein Wunder, dass nichts mehr funktioniert. Mit einem klitzekleinen Schalter ging dieser Zustand wieder umzukehren und der Motor heulte schön auf. Es ging weiter.
Die weiteren drei Runden vergingen dann wie im Fluge. Ich experimentierte auf den Geraden mit der sequentiellen Hochschaltung der Gänge unter Volllast, d.h. die Kupplung brauchte beim Hochschalten über 4500 U/min nicht mehr benutzt werden – einfach den Ganghebel zu sich heran ziehen und schon war man einen Gang höher. Beim Herunterschalten oder im niedrigen Drehzahlbereich war das Kuppeln natürlich noch angesagt.
Ein wenig später war das Rennerlebnis dann auch schon zu Ende. Es ging zurück in die Boxengasse, wo der Clio ordnungsgemäß für den nächsten Fahrer abgestellt wurde. In so einem Rennanzug kann es ganz schön heiß werden, durchgeschwitzt stieg ich aus und war des Lebens froh….
Nun konnte ich zusammen mit Manuel in Ruhe die anderen Fahrer beobachten bzw. Manuel selbst zuschauen, wie er vorne als Beifahrer in einem Führungsfahrzeug die 6 Runden absolvierte. Leider erwischte er einen ziemlich langsamen Turn – der nachfolgende Selber-Fahrer war ziemlich langsam, so dass das Führungsfahrzeug sich entsprechend auf das Tempo einstelle.
Am Ende hatte wir dann beide jedoch endlich nochmal die Möglichkeit in einem hochgetunten Mitsubishi mitzufahren. Das war dann aber der absolute Ober-Hammer und der krönende Abschluss. Der Fahrer reizte das Auto komplett aus, jede Kurve in Extremsituation. G-Kräfte, die man bisher nicht wirklich erlebt hatte. Das Blut schoss regelrecht von einer Körperseite zur anderen.
Schließlich waren gegen kurz vor 18.00 Uhr alle Selber-Fahrer fertig. Man schlüpfte wieder in seine normale Freizeit-Kleidung und es gab Urkunden, Erinnerungsfotos und Sachsenring-Lesematerial. Insgesamt ein sehr toller Service der Sachsenring-Verantworlichen und jedem einfach nur weiterzuempfehlen.
Dann fing auch schon der Regen an. Aus dem Süden zog schon seit einiger Zeit eine dunkele Wolkenwand heran, die jedoch gnädigerweise bis zum Abschluss der Fahrten wartete. Die Autobahnrückfahrt gestaltete sich sehr abwechslungsreich – viel Regen, viel Sonne, bunter Mix. Insgesamt kamen wir gut durch und übermüdet und KO wieder hier in Berlin an.
Danke nochmal an alle – und natürlich insbesondere Dank an Manuel für die Begleitung und Fahrerei!
Gruß
Christian
















